IANUS steht für naturwissenschaftlich-technische Friedens- und Konfliktforschung an der Technischen Universität Darmstadt, häufig in interdisziplinärer Zusammenarbeit mit den Sozial- und Geisteswissenschaften. Der IANUS-Preis würdigt herausragende Qualifikationsarbeiten aus allen Fachrichtungen der TU Darmstadt, die sich mit friedens- und sicherheitsrelevanten Fragestellungen beschäftigen. Bis zum 31. Juli 2026 konnten Arbeiten eingereicht werden, die innerhalb der vergangenen zwei Jahre abgeschlossen wurden. Dazu zählen insbesondere Studien-, Projekt-, Bachelor- und Masterarbeiten, wissenschaftliche Publikationen sowie Dissertationen.
Für den IANUS-Preis 2026 gingen zahlreiche qualitativ hochwertige Einreichungen aus unterschiedlichen Fachbereichen der TU Darmstadt ein. Die Auswahlkommission bewertete die wissenschaftliche Qualität der Arbeiten sowie ihren Bezug zur IANUS-Ausschreibung. Der Kommission gehörten Prof. Dr. Malte Göttsche (Naturwissenschaftliche Friedensforschung), Prof. Dr. Tobias Ide (Friedens- und Konfliktforschung: Transnationale Akteure), Prof. Dr. Markus Lederer (Internationale Politik), Prof. em. Dr. Alfred Nordmann (Philosophie der Technowissenschaften) und Prof. Dr. Dr. Christian Reuter (Wissenschaft und Technik für Frieden und Sicherheit) an. Bei möglichen Interessenkonflikten nahmen die betroffenen Kommissionsmitglieder nicht an der jeweiligen Bewertung teil.
Die Jury entschied, in diesem Jahr vier Arbeiten mit dem IANUS-Preis 2026 auszuzeichnen. Die Preisträger:innen sind Dr. Laura Guntrum, Nicolas Schwarz, M.Sc., Simon Povh, B.Sc., und Dr. Miriam Gräf.
Die ausgezeichneten Arbeiten
Dr. phil. Laura Guntrum – Digitale Gewalt gegen Aktivist:innen im Globalen Süden
Dissertation: „Between ICT-Enabled Activism and Technology-Facilitated Violence: The Ambivalence of ICTs in Activism in the Global South and Activists’ Response”
Fachbereich: Gesellschafts- und Geschichtswissenschaften
Betreuung: Prof. Dr. Dr. Christian Reuter

Die Dissertation untersucht die ambivalente Rolle digitaler Technologien für Aktivist:innen und zivilgesellschaftliche Organisationen in Myanmar, Kamerun, Costa Rica und Kolumbien. Informations- und Kommunikationstechnologien ermöglichen politische Teilhabe und Vernetzung, setzen Aktivist:innen jedoch zugleich technologiegestützter Gewalt aus. Die Ergebnisse zeigen, dass sämtliche befragten Aktivist:innen entsprechende Gewalterfahrungen gemacht haben, deren Folgen häufig unterschätzt werden. Sie reichen von Einschränkungen des Engagements und Selbstzensur bis zu erheblichen Auswirkungen auf das persönliche Leben. Die Betroffenen reagieren unter anderem mit digitalen Schutzmaßnahmen, Rückzug oder verstärktem Widerstand. Darüber hinaus untersucht die Arbeit ethische Herausforderungen der Forschung mit gefährdeten Aktivist:innen. Sie verdeutlicht, dass digitale Sicherheitsmaßnahmen stärker an lokale Risiken, verfügbare Ressourcen und individuelle Bedürfnisse angepasst werden müssen, und plädiert für partizipative, kontextsensitive Ansätze.
Nicolas Schwarz, M.Sc. – Myonendetektion zur Überprüfung nuklearer Materialien
Masterarbeit: „Simulation of a calorimetric muon detector using liquid organic media for imaging of nuclear materials”
Fachbereich: Physik
Betreuung: Prof. Dr. Malte Göttsche und Dr. Yan-Jie Schnellenbach
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Die Masterarbeit untersucht mittels Computersimulation, wie sich Behälter mit abgebrannten Kernbrennstoffen zerstörungsfrei auf ihren Inhalt überprüfen lassen. Dies ist für die nukleare Sicherheit und die Verhinderung der unbemerkten Abzweigung von Kernmaterial von Bedeutung. Der simulierte Detektor nutzt kosmische Myonen, die Behälter durchdringen und Rückschlüsse auf die enthaltenen Materialien ermöglichen. Im Unterschied zu bisherigen Ansätzen berücksichtigt das Verfahren nicht nur die Anzahl der nachgewiesenen Myonen, sondern auch deren Energie. Die Simulationen zeigen, dass sich dadurch die erforderliche Messdauer pro Behälter verkürzen lässt. Die Arbeit leistet somit einen Beitrag zur Entwicklung effizienterer Inspektionsverfahren für nukleare Materialien und eröffnet Perspektiven für die langfristige Überprüfung sicher gelagerter Brennelemente.
Simon Povh, B.Sc. – Fairness bei der KI-gestützten Klassifikation von Hassrede
Bachelorarbeit: „Assessing Fairness in Multi-Label Hate Speech Classification Using Explainable Artificial Intelligence (XAI)”
Fachbereich: Informatik
Betreuung: Dr. Markus Bayer und Dr. Thea Riebe
Die Bachelorarbeit untersucht, wie fair unterschiedliche KI-Modelle Hassrede gegenüber verschiedenen sozialen Gruppen erkennen und klassifizieren. Hierfür entwickelt sie einen Datensatz und eine Methodik, mit denen sich Unterschiede in der Bewertung systematisch analysieren lassen. Verglichen werden spezialisierte Sprachmodelle der mDeBERTa-Familie mit GPT-4o von OpenAI. Die Ergebnisse zeigen, dass GPT-4o die untersuchten sozialen Gruppen konsistenter bewertet als die spezialisierten Modelle, jedoch ebenfalls Unterschiede aufweist. Mithilfe der erklärbaren KI-Methode LIME werden mögliche Ursachen problematischer Klassifikationen untersucht und Ansatzpunkte für Verbesserungen identifiziert. Der entwickelte Datensatz und die Methodik ermöglichen es, künftig weitere KI-Modelle und soziale Gruppen zu untersuchen. Damit trägt die Arbeit zur Entwicklung fairerer und transparenterer Verfahren zur automatisierten Erkennung von Hassrede bei.
Dr. rer. pol. Miriam Gräf – KI und immersive Technologien in Hochrisikoumgebungen
Dissertation: „Artificial Intelligence and the Metaverse for Collaboration in High-Risk Environments: A Socio-Technical Analysis”
Fachbereich: Rechts- und Wirtschaftswissenschaften
Betreuung: Prof. Dr. Peter Buxmann
Die Dissertation untersucht, wie Künstliche Intelligenz und immersive Technologien die Zusammenarbeit in Hochrisikoumgebungen unterstützen können, in denen Fehlentscheidungen schwerwiegende Folgen haben können. Im Mittelpunkt stehen die Zusammenarbeit zwischen Menschen und KI, KI-gestützte Führung sowie Anwendungen im Krisen- und Katastrophenmanagement. Die Arbeit kombiniert gestaltungsorientierte Forschung mit qualitativen Studien und szenariobasierten Experimenten. Sie entwickelt unter anderem Designprinzipien für die Zusammenarbeit in verteilten Teams sowie Plattformkonzepte zur gemeinsamen Lagebeurteilung, Einsatzkoordination und Förderung der Katastrophenvorsorge. Die Ergebnisse verdeutlichen, unter welchen Bedingungen KI die Zusammenarbeit verbessern kann, ohne menschliche Entscheidungsverantwortung zu verdrängen. Daraus leitet die Dissertation Gestaltungsempfehlungen ab, die insbesondere Erklärbarkeit, menschliche Kontrolle und Datenschutz berücksichtigen.
Preisverleihung am 25. November 2026
Die feierliche Verleihung der IANUS-Preise 2026 findet am Mittwoch, 25. November 2026, ab 17:00 Uhr im Rahmen des Akademischen Viertels an der TU Darmstadt statt. Die Preisträger:innen werden ihre ausgezeichneten Arbeiten vorstellen.
Weitere Informationen zur Veranstaltung: https://peasec.de/event/verleihung-ianus-preis-2026/
Ausblick auf den IANUS-Preis 2027
Auch im kommenden Jahr soll der IANUS-Preis wieder vergeben werden. Qualifikationsarbeiten aus allen Fachrichtungen der TU Darmstadt, die sich mit Fragestellungen der naturwissenschaftlich-technischen Friedens- und Konfliktforschung beschäftigen, können für die nächste Ausschreibung eingereicht werden. Informationen zu den Einreichungsbedingungen und Fristen werden rechtzeitig bekannt gegeben.
