Verschlüsselte digitale Kommunikation ist ein zentraler Baustein der vernetzten Gesellschaft. Sie schützt Daten, ermöglicht sichere Online-Dienste und bildet die Grundlage moderner IT-Infrastrukturen. Mit leistungsfähigen Quantencomputern geraten weit verbreitete Verschlüsselungsverfahren jedoch langfristig unter Druck. Der Sonderforschungsbereich CROSSING (SFB 1119) hat diese Herausforderung seit 2014 untersucht, lange bevor sie in Politik und Wirtschaft breit als sicherheitsrelevant diskutiert wurde. Am 30. Juni endet CROSSING nach zwölf Jahren und drei erfolgreichen Förderphasen. PEASEC war seit 2019 zunächst assoziiertes, seit 2022 dann reguläres Mitglied des Sonderforschungsbereichs und Leiter der Integrierten Graduiertenschule.
„Wie bleibt Kryptographie im Zeitalter der Quantencomputer sicher? Diese Frage hat uns in CROSSING fast zwölf Jahre lang begleitet und zu Ergebnissen geführt, die weit über theoretische Grundlagen hinausgehen: von der Sicherheitsanalyse globaler Internetstandards bis zur Aufdeckung von Datenschutzlücken in Produkten mit Milliarden Nutzenden. Dies gelang nur durch die langfristige Zusammenarbeit unterschiedlichster Disziplinen aus Informatik und Physik“, unterstreicht Professor Dr. Marc Fischlin, Sprecher des SFB CROSSING und Professor am Fachbereich Informatik der TU Darmstadt.
„CROSSING steht beispielhaft für die besondere Stärke der TU Darmstadt in der Cybersicherheitsforschung: Als erster von der DFG geförderter Sonderforschungsbereich zur Kryptographie hat CROSSING die interdisziplinäre Zusammenarbeit über Fachgrenzen ebenso gefördert wie die vertrauensvolle Zusammenarbeit mit Anwendungspartner:innen in Wirtschaft und Gesellschaft. CROSSING hat damit die Rolle der TU Darmstadt als prägenden Standort für wegweisende Forschung zu IT-Sicherheit und Datenschutz nachhaltig gestärkt“, so Professorin Dr. Tanja Brühl, Präsidentin der Technischen Universität Darmstadt.
Über drei Förderphasen hinweg arbeiteten Forschungsgruppen aus Kryptographie, Hochleistungsrechnen, Netzwerk- und Systemsicherheit, Softwaretechnik und Quantenphysik in 16 wissenschaftlichen Teilprojekten zusammen. Beteiligt waren neben der TU Darmstadt die Universität Duisburg-Essen, die Universität Paderborn und die Universität Regensburg. Ein integriertes Graduiertenkolleg begleitete den wissenschaftlichen Nachwuchs über die gesamte Laufzeit. Insgesamt wurden 124 Promotionen abgeschlossen und mehr als 900 Publikationen veröffentlicht, viele davon auf führenden internationalen Fachkonferenzen. Die Ergebnisse von CROSSING reichen von grundlagenorientierter Sicherheitsforschung bis hin zu konkreten Anwendungen.
So konnten Forschende zeigen, dass der Internetstandard TLS 1.3, der die Sicherheit nahezu aller verschlüsselten Online-Kommunikation gewährleistet, auch unter komplexen Angriffsmodellen robuste Sicherheitsgarantien bietet. Darüber hinaus deckten CROSSING-Forschende schwerwiegende Datenschutzlücken in weit verbreiteten mobilen Messengern auf: Durch die Analyse von Apps wie Signal, Telegram und WhatsApp ließ sich zeigen, dass deren Verfahren zur Kontaktermittlung die Privatsphäre von Milliarden Nutzerinnen und Nutzern gefährden. Dies führte nach verantwortungsvoller Offenlegung zu konkreten Schutzmaßnahmen seitens der Plattformbetreiber.
Für die Praxis entstand der Krypto-Assistent CogniCrypt, der in die Plattform Eclipse integriert ist und Entwickler:innen dabei unterstützt, kryptographische Verfahren korrekt einzusetzen. Im Bereich der Quantenkommunikation entwickelte sich aus der Zusammenarbeit mit der Deutsche Telekom Technik GmbH das Darmstadt Quantum Local Area Network (DaQLAN), ein im Feldeinsatz erprobtes Quantennetzwerk für abhörsichere Kommunikation. Ausgewählte Ergebnisse wurden ab der dritten Förderphase zudem im Rahmen eines Transferbereichs gemeinsam mit Industriepartnern weiterentwickelt; aus dem Umfeld des SFB gingen mehrere Ausgründungen hervor, darunter die Startups PolyCrypt, Sanctuary und QuantiCore Security. „Dass unsere Ergebnisse den Weg in die Praxis gefunden haben, zeigt, was Grundlagenforschung leisten kann. Die Doktorandinnen und Doktoranden, die wir ausgebildet haben, tragen dieses Wissen weiter. Ohne die kontinuierliche DFG-Förderung wäre das nicht möglich gewesen”, so Marc Fischlin.
SFB 1119 CROSSING
Der Sonderforschungsbereich 1119 CROSSING – „Kryptographiebasierte Sicherheitslösungen als Grundlage für Vertrauen in heutige und zukünftige IT-Systeme“ – wurde 2014 eingerichtet. Mit einer Gesamtförderung von rund 30 Millionen Euro durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) erforschte er die Grundlagen der kryptographischen Sicherheit unter realen und zukünftigen Bedrohungsszenarien, insbesondere im Kontext leistungsfähiger Quantencomputer. Mit dem Abschluss zum 30. Juni 2026 endet der SFB nach der maximalen Förderdauer. CROSSING war an der Technischen Universität Darmstadt im Profilthema „Cybersecurity and Privacy“ des TU-Forschungfelds „Information and Intelligence“ (I+I) angesiedelt.
von Daniela Fleckenstein
Originalquelle (30.06.2026): Kryptographie für das Quantenzeitalter – SFB 1119 CROSSING – TU Darmstadt

