Die Städte der Gegenwart sind digital vernetzt – und die der Zukunft werden es noch stärker sein. Kritische Infrastrukturen in Bereichen wie Energie, Verkehr und Gesundheit sind zunehmend von Informations- und Kommunikationstechnologien abhängig. Die in emergenCITY entwickelten Lösungen helfen dabei, Städte auch für den Fall unvorhergesehener und komplexer Krisen resilient zu gestalten. Beim Ministerbesuch präsentierten elf Wissenschaftler:innen ihre neuesten Erkenntnisse und demonstrierten deren Anwendbarkeit in der Praxis.

„In emergenCITY arbeiten die Forschenden an Lösungen, die in Krisenfällen einen Notbetrieb sicherstellen und schnelle Hilfe und die Rückkehr zur Normalität ermöglichen. Das Projekt zeigt damit eindringlich, welch wichtige Rolle unsere Hochschulen und außeruniversitären Forschungseinrichtungen für die Bewältigung der Herausforderungen unserer Zeit spielen. Besonders beeindruckt mich der konstante Strom an Innovationen in den vergangenen sieben Jahren und dass die Forschung nicht im Labor bleibt, sondern konkrete Lösungen vor Ort in Hessen und unter Einbindung der Bevölkerung erprobt werden. Damit können wir die Resilienz städtischer Gesellschaften in Deutschland und darüber hinaus nachhaltig erhöhen“, sagte Timon Gremmels, hessischer Minister für Wissenschaft und Forschung, Kunst und Kultur.

Falko Mohrs, niedersächsischer Minister für Wissenschaft und Kultur, begrüßte den Austausch zwischen den beiden Bundesländern:

„Die großen Zukunftsfragen machen nicht an Landesgrenzen halt. Deshalb brauchen wir einen starken Austausch zwischen den Wissenschaftsstandorten in Deutschland. Niedersachsen und Hessen arbeiten dabei bereits erfolgreich zusammen. emergenCITY zeigt eindrucksvoll, wie exzellente Forschung dazu beitragen kann, die Chancen von Digitalisierung und Künstlicher Intelligenz für die Menschen nutzbar zu machen und unsere Gesellschaft zukunftsfest aufzustellen.“

„emergenCITY zeigt beispielhaft, wie wir als Technische Universität langfristig Expertise aufbauen, die unsere Gesellschaft braucht, um auch in Krisensituationen handlungsfähig zu bleiben. Dabei setzen wir auf interdisziplinäre Kooperation und den Austausch mit Partner:innen in der Praxis. Die Förderung durch das LOEWE-Programm des Landes Hessen hat den Grundstein für langfristige Strukturen geschaffen. Ich freue mich, dass emergenCITY seine Arbeit als interdisziplinäre wissenschaftliche Plattform unter Federführung der TU Darmstadt fortsetzt – und gemeinsam mit starken Partner:innen weiter zukunftsweisende Lösungen für krisenfeste digitale Städte entwickelt“, so Prof. Dr. Tanja Brühl, Präsidentin der Technischen Universität Darmstadt.

Die emergenCITY-Wissenschaftler:innen präsentierten der Ministerdelegation eine Reihe aktueller Forschungsergebnisse. Die vorgestellten Beispiele reichten von der Heinerbox, einer Sensorbox, die Umweltdaten misst und ein Testfeld für resiliente Krisenkommunikation vor Ort in Darmstadt bereitstellt, über das mobile Serious Game Krisopolis, mit dem sich Krisenvorsorge spielerisch üben lässt, bis hin zu ShadAR, einem durch künstliche Intelligenz (KI) gestützten Augmented-Reality-Tool, das wichtige Informationen beispielsweise für Einsatzkräfte im Sichtfeld hervorheben kann.

Prof. Dr. Dr. Christian Reuter gab einen Überblick darüber, wie verwundbar kritische Infrastrukturen gegenüber hybriden Bedrohungen sind, und stellte Handlungsoptionen vor, die die digitale Souveränität in Deutschland stärken. Prof. Dr. Britta Schmalz und Dr. Mohsen Dehghani Darmian präsentierten hydrologische Modelle, die mittels KI die Vorhersage von Hochwasserverläufen verbessern, und Prof. Dr. Iryna Gurevych zeigte gemeinsam mit Dr. Thomas Arnold, wie die Vertrauenswürdigkeit von Texten, die Mensch und KI gemeinsam produziert haben, lückenlos nachvollzogen werden kann, um Falschinformationen in Anwendungen mit hohem Sicherheitsbedarf zu vermeiden.

Prof. Dr. Matthias Hollick, wissenschaftlicher Koordinator des LOEWE-Projekts emergenCITY, fasste zusammen:

„LOEWE-emergenCITY erforschte Resilienz für und durch Informations- und Kommunikationstechnologie. Mit unserer Grundlagenforschung konnten wir zeigen, wie die Resilienz von Städten und der gesamten Gesellschaft durch Technologieeinsatz erhöht werden kann. Auch nach Auslaufen der LOEWE-Förderung geht unsere Arbeit weiter. Wir werden die aktuellen Themen Satellitenkommunikation, Robotik und Künstliche Intelligenz unter Resilienzgesichtspunkten erforschen und durch den Betrieb einer Geschäftsstelle und eines Showrooms das gesellschaftlich wichtige Thema Digitale Resilienz weiter befördern.“

Prof. Dr. Michèle Knodt stellte außerdem die Arbeit des Anwendungs- und Transferzentrums Digital Resilience Xchange (DiReX) vor, das verschiedene Demonstratoren und Reallabore aus emergenCITY weiter in die Praxis trägt. Zudem gab sie einen Ausblick auf ein Resilient Critical Infrastructure Lab, das perspektivisch im Rahmen des neu bewilligten Exzellenzverbundes EXCITE der Rhein-Main-Universitäten (RMU) entstehen könnte.

Auch die Grundlagenforschung aus dem LOEWE-Zentrum wird fortgeführt. Zwei DFG-Graduiertenkollegs sind beantragt, um weiter an adaptiven kritischen Infrastrukturen zu forschen beziehungsweise die Zusammenarbeit von Menschen mit KI in kritischen Anwendungskontexten zu untersuchen. Und auch auf dem Gebiet der Informations- und Kommunikationssysteme geht die Forschung in nationalen und internationalen Verbünden weiter, beispielsweise zur Satellitenkommunikation.

Quelle: www.emergencity.de

Krisen machen nicht an Landesgrenzen halt: emergenCITY Forschung zu Resilienz hilft auch anderen Bundesländern