Demokratische Prozesse stehen unter Druck, kritische Infrastrukturen und digitale Umwelten werden zum Ziel von Angriffen und Manipulation. Wie können die Expertisen der RMU zu Lösungen beitragen – und mit politischen Perspektiven und Bedarfen verbunden werden?

Am 10. September haben die Rhein-Main-Universitäten (RMU) Mitglieder des Deutschen Bundestags zu einem Parlamentarischen Frühstück unter dem Titel „Demokratie gestalten – Resilienz stärken“ eingeladen. Im Mittelpunkt stand die Frage, wie Wissenschaft und Politik gemeinsam zur Zukunftsfähigkeit und Resilienz unserer Demokratie beitragen können.

Den intensiven Austausch mit Partner*innen aus Wissenschaft, Wirtschaft, Politik und Gesellschaft pflegt die Allianz seit ihrer Gründung in vielfältigen Formaten. Mit dem Parlamentarischen Frühstück brachte die RMU nun Wissenschaftler*innen aus den drei Universitäten mit Abgeordneten des Deutschen Bundestags zusammen, um aktuelle Herausforderungen für Demokratie und gesellschaftliche Resilienz aus unterschiedlichen wissenschaftlichen Perspektiven zu beleuchten und gemeinsam Handlungsansätze zu diskutieren. RMU-Sprecherin Prof. Dr. Tanja Brühl betonte in ihrer Begrüßung gemeinsam mit den weiteren Mitgliedern des RMU-Direktoriums, Prof. Dr. Stefan Müller-Stach (JGU Mainz) und Prof. Dr. Viera Pirker (GU Frankfurt): „Als RMU ist es Teil unseres Selbstverständnisses, dass wir bei den anstehenden großen Veränderungsaufgaben die Stärken unserer Allianz einbringen und auf Grundlage unserer komplementären Expertisen Lösungsangebote entwickeln. Wie wir unsere Demokratie gut für die Zukunft aufstellen, ist ein solches drängendes Thema. Dabei geht es sowohl um die Resilienz demokratischer Institutionen und Prozesse als auch um die Infrastrukturen, die wir für ein funktionierendes Gemeinwesen brauchen. Um wissenschaftliche Erkenntnisse nachhaltig und wirksam in die Anwendung zu bringen, setzen wir auf den Dialog und das Verbinden von Perspektiven aus unterschiedlichen Bereichen. Genau dazu laden wir mit unserem Parlamentarischen Frühstück ein.“

In drei kurzen Impulsen gaben Wissenschaftler*innen der RMU-Universitäten Einblicke in ihre aktuelle Forschung. Dr. Susanne Garritzmann (GU Frankfurt) und Dr. Nils Steiner (JGU Mainz) präsentierten Ergebnisse einer aktuellen Umfrage zur Landtagswahl in Sachsen-Anhalt. Im Fokus standen unter anderem Unterschiede in der Befürwortung illiberaler Eingriffe in demokratische Prozesse nach Wahlabsicht sowie geschlechtsspezifische Unterschiede im Wahlverhalten insbesondere jüngerer Wähler*innen. Prof. Dr. Armin Schäfer (JGU Mainz) erweiterte die Perspektive um einen europäischen Vergleich. Er zeigte die Diskrepanz zwischen der hohen grundsätzlichen Zustimmung zur Demokratie als Staatsform und der Unzufriedenheit vieler Bürger*innen mit ihrem tatsächlichen Funktionieren. Eine Rolle spielt dabei unter anderem, inwieweit Menschen den Eindruck haben, auf politische Entscheidungen Einfluss nehmen zu können. Im dritten Impuls richteten Prof. Dr. Florian Müller und Prof. Dr. Christian Reuter (beide TU Darmstadt) den Blick auf die Verwundbarkeit kritischer, insbesondere digitaler Infrastrukturen sowie auf Manipulationsmöglichkeiten in digitalen Umgebungen. An Beispielen wie hybriden Bedrohungen und Deepfakes zeigten sie aktuelle Herausforderungen auf und skizzierten Handlungsoptionen zur Stärkung digitaler Souveränität.

In der anschließenden, von Dr. Patrick Honecker (TU Darmstadt) moderierten Diskussion kamen die wissenschaftlichen Analysen mit den Erfahrungen und Perspektiven der anwesenden Abgeordneten zusammen. Im Mittelpunkt stand die Frage, welche Ansätze zur Stärkung demokratischer Prozesse und zum Schutz kritischer Infrastrukturen bereits politisch diskutiert werden – und wie wissenschaftliche Expertise aus der RMU an konkrete politische Fragestellungen und Bedarfe anknüpfen kann.

Die Perspektive des RMU-Innovationsökosystems brachte Sören Heß, Mitgründer und CEO des Start-ups Panocular AI, in die Diskussion ein. Er zeigte, wie aus wissenschaftlichen Erkenntnissen innovative Anwendungen und marktreife Lösungen entstehen können. Wie ein kontinuierlicher Austausch zwischen Wissenschaft und Politik gelingen kann, stellte Tome Sandevski am Beispiel des von ihm für die RMU koordinierten Mercator Science-Policy Fellowship-Programms vor. Das Programm bringt Entscheidungsträger*innen und Wissenschaftler*innen der drei RMU-Universitäten in individuellen Gesprächen zusammen.

Das Parlamentarische Frühstück knüpft an diesen Dialog an: Die Teilnehmenden vereinbarten, die vielfältigen Gesprächsfäden weiterzuführen und den Austausch zu aktuellen gesellschaftlichen Herausforderungen fortzusetzen.

Quelle: https://www.rhein-main-universitaeten.de/news/rmu-laedt-zu-parlamentarischem-fruehstueck-ein

Demokratie gestalten – Resilienz stärken: Wissenschaft und Politik im Austausch im Deutschen Bundestag