In der Literatursendung des Campusradio Radius 92,1 „Wort über Wort“ mit Raphael und Alina, am 20. November 2017 wurde über den Bestseller-Thriller „Blackout“ von Marc Elsberg aus dem Jahr 2012 gesprochen. Der Technik-Thriller beschreibt einen, von Hackern verursachten, tagelangen Stromausfall in ganz Europa. Elsberg erzählt in seinem Buch von den katastrophalen Auswirkungen, wie sich diese innerhalb von zwei Wochen entwickeln und wie die Menschen ums Überleben kämpfen. Die Moderatoren Raphael und Alina stellten während der Sendung folgende Frage: Wie geht man damit im realen Leben um?

Dazu haben sie Christian Reuter, Professor für Wissenschaft und Technik für Frieden und Sicherheit an der TU Darmstadt und Initiator der Arbeitsgruppe KontiKat (Zivilgesellschaftliche und betriebliche Kontinuität durch sozio-technische Vernetzung in Katastrophenlagen) an der Uni Siegen interviewt. Denn die von ihm ins Leben gerufene und vom Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderte Forschungsgruppe KontiKat beschäftigt sich mit dem Thema des Stromausfalls oder generell der Krisenvorsorge. KontiKat konzentriert sich vor allem auf die Kommunikation von Menschen und Unternehmen während Krisensituationen. Wie kann Kommunikation, Unternehmen und Behörden, helfen optimal auf einen Krisenfall vorbereitet zu sein? Auslöser für die Bildung der Forschungsgruppe war der Brand in der Telekom in Siegen im Januar 2013. Insgesamt waren 500.000 Telefonanschlüsse nicht mehr erreichbar. Auch das Mobilfunknetz funktionierte nicht mehr. Notrufe konnten nicht mehr abgesetzt werden. Auch das lokale Radio Siegen war vom Netz und die Internetseiten der Kreisleitstelle Siegen-Wittgenstein waren offline. Die Forscher haben hier vor allem beobachtet, dass die Menschen über Facebook kommuniziert haben. Auch die Kreisleitstelle des Kreises Siegen-Wittgenstein kommuniziert über Facebook und konnte den Menschen so die wichtigen Infos zukommen lassen. Bei der Forschung setzt man vor allem auf „Digital Volunteers“ so Professor Reuter im Interview. Das sind Menschen die sich gegenseitig, durch Kommunikation auf Facebook, in Krisensituationen helfen – eine große Unterstützung für Polizei und Rettungskräfte. Es geht darum, wie diese unterstützt werden können. In der aktuell laufenden Forschung werden beispielsweise größere Datensätze analysiert. Ziel ist es, diese Überlegungen auch auf Unternehmen zu übertragen. Die Unternehmen können sich dann im Ernstfall gegenseitig helfen und unterstützen. Daher werden qualitative Interviews mit großen und kleinen Unternehmen geführt – erste Konzepte sind im Moment in der Ausarbeitung.

Christian Reuter spricht in Bezug auf Stromausfälle von einem „Verletzlichkeitsparadoxon“, welches vor allem die Unternehmen betrifft. Die Infrastrukturen in Mitteleuropa sind sehr sicher, daher gibt es sehr wenige Ausfälle. Darum wird sich mit der Materie nicht so sehr auseinander gesetzt, und ein Ausfall hat umso größere Auswirkungen. „Umso sicherer eine Infrastruktur ist, desto schlimmer ist es wenn sie ausfällt“, so Reuter. Eine gute Krisenkommunikation ist unabdingbar. Die Stadt Münster ist ein Beispiel dafür: 2005 fiel der Strom im Schneechaos aus. Die Unternehmen sind davon ausgegangen, dass es nur wenige Stunden dauert, bis alles wieder läuft. Dem war nicht so und die Menschen hatten tagelang keine Elektrizität.

Eine fehlende Kommunikation und eine falsche Einschätzung der Lage verschlimmerten das Problem und sorgten für Verunsicherung bei den Bürgern. Um solche Problem zu erforschen arbeitet KontiKat noch bis 2021.

Auf Sendung: Radius 92,1, Mo. 20.11.2017, 20-22h

Besprochene Literatur: Elsberg, Marc (2012): Blackout-Morgen ist es zu spät; Blanvalet Verlag.

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Ein Radiointerview von Radius 92,1: Fiktion versus Realität bei einem totalen Blackout