Datum: 26. Juni 2019 | 18:00 Uhr

FiF DenkRaum 2.19 im Theater im Pädagog

Raum: Theater im Pädagog | Pädagogstraße 5 | www.paedagogtheater.de

Moderation: Prof. Markus Lederer (FB 2), Prof. Alfred Nordmann (FB 2), Prof. Christian Reuter (FB 20)

Die Einladung

Viele Technologien können zivil und militärisch eingesetzt werden – und das disqualifiziert sie nicht automatisch. Viele Technologien können friedlichen und gewaltsamen Zwecken dienen – und das beunruhigt schon eher. In letzter Zeit tritt ein dritter Gesichtspunkt hinzu: Viele Technologien sichern Grundbedürfnisse, erhöhen „sicherheitskritisch“ aber auch die Unsicherheit und Vulnerabilität von Gesellschaften. Wovon reden wir also, wenn von „dual use“ die Rede ist – und warum? Der geplante DenkRaum bietet die Möglichkeit, die Dimensionen des „dual use“ auszuloten. Dabei geht es nicht um die bloße Feststellung, dass gewinnbringende Technik immer auch missbraucht werden kann. Interessanter ist die Herausforderung, den möglichen Missbrauch im Entwicklungsprozess schon mitzudenken und womöglich zu erschweren. In der Physik, Biologie und Chemie, in Industrie 4.0, 3 D-Druck, bei Fragen der künstlichen Intelligenz, bei autonomen Fahrzeugen oder im Bereich der Cyber-Sicherheit stellt sich die gleiche Herausforderung vielleicht jeweils ganz anders dar.

Der Raum

Der dritte der FiF-DenkRäume fand im Theaterkeller des Pädagog statt. Glücklicherweise war dieser zu jenem Zeitpunkt einer der kühlsten Orte Darmstadts, was zusätzlich zum Denken anregte. Das Interesse am informellen Austausch von Forschern der TU Darmstadt war groß. Um diesen zu erleichtern, wurden die Teilnehmer in zwei Kleingruppen aufgeteilt, die jeweils zu einem Teilbereich Ideen, Anregungen und Erkenntnisse zusammentrugen und im Anschluss der gesamten Gruppe präsentierten. So hatten die Teilnehmer die Möglichkeit, Wissenschaftler aus anderen Fachgebieten kennenzulernen und neue Impulse für bestehende Projekte bzw. zukünftige Kooperationen zu erhalten. Das überaus positive Resümee veranlasst uns, auch zukünftig diesen Raum für die Denkräume zu nutzen.

Die Diskussion

Ob die klassische Definition von Dual Use, also der Unterscheidung zwischen „zivil“ und „militärisch“, den potentiellen, gegenwärtigen Nutzern gerecht wird, muss bezweifelt werden. So können Terroristen, Einzeltäter, paramilitärische Gruppen oder Whistleblower Technologien nutzen, ohne dass sie sich eindeutig einer Gruppe zuordnen lassen. Wo die Grenze zwischen „zivil“ und „anderen“ Kategorien verläuft, ist nicht eindeutig auszumachen. Technologien können Schutzmechanismen vor zweckentfremdeter Nutzung erhalten, die eine nichtsachgemäße Nutzung erkennen und darauf reagieren. Ob diese Schutzmechanismen in Zukunft im Einzelfall in der Lage sind, nichtsachgemäße Nutzung als nicht-zivile Nutzung zu erkennen, ist jedoch offen. Darin zeigt sich das Problem, dass Kriterien der Nutzung gefunden werden müssen, anhand derer man zweifelsfrei zwischen ziviler und nicht-ziviler Nutzung unterscheiden kann. Da diese Kriterien ja nach Forschungsgebiet und -gegenstand unterschiedlich sind, können keine allgemeinen Kriterien für die Unterscheidung definiert werden. Das erfordert es, dass die einzelnen Forscher selbst diese Kriterien definieren und entwickeln (können) müssen. Das aber setzt voraus, dass die Forscher darin geschult sind, was aktuell nicht der Fall ist. So erscheint es als Aufgabe des FiF und der Teilnehmer eines solchen DenkRaums, in der Forschung ein Bewusstsein dafür zu schaffen. Die ethische Debatte um Dual Use ist schließlich auch aus internationaler Perspektive zu betrachten. So stellt sich vor dem Hintergrund der aufstrebenden Diktaturen und des wachsenden Populismus in einigen Staaten die Frage, ob wir Gefahr laufen, im Zuge einer übermäßigen Ethisierung den Anschluss an andere Staaten zu verlieren.

Quelle: https://www.fif.tu-darmstadt.de/formate/fif_denkraeume/denkraum_2__1/index.de.jsp

Rückblick: DenkRum 2/19: Dual Use-Technologien – Chancen vs. Risiken