Extremwetter oder Cyberangriff – welchen Unterschied macht das für die Vorsorge und Gefahrenabwehr bei (kritischen) Infrastrukturen? Die Schader-Stiftung und das LOEWE-Zentrum emergenCITY an der TU Darmstadt laden zu einer gemeinsamen Tagung ein, bei der über Präventions- und Bewältigungsansätze für Ausfälle durch Cyberangriffe und Extremwetter-Ereignisse aus verschiedenen Blickwinkeln diskutiert werden soll.

2022-Schader-Programm_Kritische_Infrastrukturen

Organisiert vom LOEWE-Zentrum emergenCITY, vom ATHENE-Forschungsbereich Secure Urban Infrastructures, Graduiertenkolleg Privacy & Trust, PEASEC und der Schader-Stiftung.

Extremwetter oder Cyberangriff – welchen Unterschied macht das für die Vorsorge und Gefahrenabwehr bei (kritischen) Infrastrukturen?

Mit zunehmender Digitalisierung geraten viele Bürger*innen, Institutionen, Unternehmen und Behörden immer stärker in Abhängigkeit von einem störungsfrei funktionierenden Internet. Technische Probleme oder gar Cyberangriffe auf digitalisierte Infrastrukturen können zu gravierenden Einschränkungen der Versorgung mit lebenswichtigen Gütern oder zu einer Gefährdung der öffentlichen Sicherheit führen. Ausfälle der Patient*innenverwaltung in Krankenhäusern, der Auszahlungen von Sozialleistungen oder von Parkleitsystemen sind nur einige von vielen Störungen, die es in Deutschland in letzter Zeit zu beobachten gab.

Der Schutz kritischer Infrastrukturen ist daher oberstes Gebot. Ein vielversprechender Ansatz, um widerstandsfähige Infrastrukturen zu schaffen, liegt in deren resilientem Design, womit im übertragenen Sinne die Anpassungsfähigkeit an geänderte Bedingungen gemeint ist. Zum einen setzt man auf präventive Ansätze, zum anderen soll im Falle einer konkret eingetretenen Störung die kontinuierliche Versorgung sichergestellt werden.

Resiliente Systeme für moderne Städte, Regionen und Wirtschaftssysteme zu entwickeln beinhaltet allerdings mehr als Redundanz, Notstromversorgung oder Backup. Attacken auf kritische Infrastrukturen haben über den bloßen (Zer-)Störungseffekt hinaus oft auch strategische Bedeutung. Der Ukraine-Krieg zeigt, dass hier u.a. auch ein Kampf um Deutungshoheit und Urheberschaft von Cyberattacken und -abwehr geführt wird, in welchen sowohl staatliche als auch nichtstaatliche Akteure involviert sind.

Im Hinblick auf die Gefahrenlage und -reaktion kann es durchaus einen Unterschied machen, ob ein Internetausfall auf ein Extremwetter-Ereignis (Betriebssicherheit (Safety)) oder einen Cyberangriff (Angriffssicherheit (Security)) zurückzuführen ist. Weiterhin kann es zu Interaktionen dieser beiden Aspekte kommen, wenn z.B. ein Cyberangriff auf die Patient*innendaten eines Krankenhauses (Security) auch die Patient*innenversorgung und den Krankenhausbetrieb (Safety) gefährdet. Gegenmaßnahmen, die bei Extremwetter funktionieren, reichen bei Cyberangriffen oft nicht mehr aus. Zudem gibt es personelle Engpässe bei der Analyse und Überprüfung potenziell angegriffener Systeme und Daten. Eine offene Frage bleibt, wie künftig mit diesen Engpässen umgegangen werden kann.

Das Programm der Tagung

Zeit: 20.06.2022 | 17:30 -19:00 Uhr

Ort: Schader-Forum | Goethestr. 2 | 64285 Darmstadt

Bei der Veranstaltung beleuchten wir daher Präventions- und Bewältigungsansätze für Ausfälle durch Cyberangriffe und Extremwetter-Ereignisse aus verschiedenen Blickwinkeln, inklusive der Perspektive von Sicherheitsbehörden und -unternehmen, Infrastrukturbetreibenden und der Forschung.

Eine Einführung und Impulsvorträge geben

  • Prof. Dr. Christian Reuter (Wissenschaft und Technik für Frieden und Sicherheit (PEASEC)) und
  • Dr. Nina Gerber (Arbeits- und Ingenieurpsychologie) von der Technischen Universität Darmstadt.

In der anschließenden Podiumsdiskussion sprechen miteinander:

  • Dr. Marco Ghiglieri (SICHER3 GmbH & Co. KG)
  • Jasmin Haunschild (Wissenschaft und Technik für Frieden und Sicherheit (PEASEC), TU Darmstadt, emergenCITY, ATHENE-SecUrban)
  • Kirstin Scheel (Fraunhofer-Institut für Sichere Informationstechnologie SIT / Nationales Forschungszentrum für angewandte Cybersicherheit ATHENE)
  • Prof. Dr. Verena Zimmermann (Arbeits- und Ingenieurpsychologie, TU Darmstadt, ATHENE-SecUrban, GRK)

Moderation: Prof. Dr. Christian Reuter, Wissenschaft und Technik für Frieden und Sicherheit (PEASEC), TU Darmstadt

Podiumsdiskussion im Schader-Forum: Hybride Bedrohungen für kritische Infrastrukturen