IANUS steht für die naturwissenschaftlich-technische Friedens- und Konfliktforschung an der Technischen Universität Darmstadt, die oft interdisziplinär und unter Einbeziehung der Sozial- und Geisteswissenschaften erfolgt. Mit dem IANUS-Preis (1000 Euro) werden herausragende Qualifikationsarbeiten aus allen Fachrichtungen der TU Darmstadt ausgezeichnet. Die Einreichungsfrist endete am 31. Juli 2020. Eingereicht werden konnten Qualifikationsarbeiten (insbesondere Studien-, Projekt-, Bachelor- und Masterarbeiten, Publikationen oder Dissertationen), die seit August 2018 abgeschlossen wurden und sich mit für IANUS relevanten Themen und Fragestellungen beschäftigen.

Sieben sehr gute Einreichungen aus sieben verschiedenen Fachgebieten der TU Darmstadt (Architektur, Biologie, Elektrotechnik, Geschichte, Informatik, Politikwissenschaft, Psychologie) bzw. sechs Fachbereichen (FB02: Gesellschafts- und Geschichtswissenschaften; FB03: Humanwissenschaften, FB10: Biologie, FB15: Architektur, FB18: Elektrontechnik, FB20: Informatik) kamen in die Endauswahl für den IANUS-Preis 2020.

Bei sämtlichen eingereichten Arbeiten wurde die Qualität der Arbeit sowie der Bezug zur IANUS-Ausschreibung von allen drei Mitgliedern der Auswahlkommission, Prof. Dr. Alfred Nordmann (Philosophie der Technowissenschaften), Prof. Dr. Markus Lederer (Internationale Politik) und Prof. Dr. Christian Reuter (Wissenschaft und Technik für Frieden und Sicherheit), bewertet. Im Falle einer Befangenheit wirkte das jeweilige Mitglied nicht mit. Nach einer ersten Auswahl prinzipiell preiswürdiger Arbeiten wurde nach eingehender Betrachtung eine Bewertung und Einstufung durch i.d.R. zwei Kommissionsmitglieder vorgenommen.

Es wurden zwei erste Preise vergeben. Den ersten Preis und 500 Euro erhielt zum einen Herr Dr. Marc-André Kaufhold, M.Sc., für seine Dissertation „Information Refinement Technologies for Crisis Informatics: User Expectations and Design Implications for Social Media and Mobile Apps in Crisis“. Die Arbeit untersucht und reflektiert den Einsatz, Barrieren und Potenziale mobiler Anwendungen und sozialer Medien im Katastrophenschutz mit dem Ziel, Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben bei der Analyse bürgergenerierter Inhalte zu unterstützen. Die Dissertation entwickelt ein wertinkludierendes Framework für das Technologiedesign, welches gesellschaftliche, organisationale und technische Kontextfaktoren in Katastrophenfällen berücksichtigt, um das Situationsbewusstsein, die Entscheidungsfindung und ein effizientes Schadensmanagement, aber auch den zielorientierten Krisendialog mit den BürgerInnen zu verbessern. Betreut wurde die Arbeit von Prof. Christian Reuter vom Fachgebiet Wissenschaft und Technik für Frieden und Sicherheit (PEASEC) im Fachbereich Informatik (FB20).

 

Ebenfalls den ersten Platz belegte Frau Dr. Marita Unden, M.A., mit ihrer interdisziplinären Dissertation „Psychische Belastung und Beanspruchung im Auslandseinsatz – Expatriates in der Entwicklungszusammenarbeit“, die sowohl Aspekte der Arbeitspsychologie als auch der Friedens- und Konfliktforschung verbindet. Eine Forschungskooperation mit der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) ermöglichte einen direkten Feldzugang und die Erforschung der psychischen Belastung und Beanspruchung von Auslandsfachkräften im Kontext der deutschen Entwicklungszusammenarbeit. Die Dissertation zeichnet sich durch einen Mixed-Methods-Ansatz aus, der sowohl qualitative als auch quantitative Methoden kombiniert, um einen möglichst hohen Erkenntnisgewinn zu erzielen. Frau Unden legt mit ihrer Arbeit zudem Handlungsempfehlungen vor, die die Erkenntnisse der wissenschaftlichen Arbeit in die Praxis der entsendenden Unternehmen transferieren und so zur Etablierung einer resilienten Organisationskultur und Gesunderhaltung der Arbeitskräfte beitragen soll. Betreut wurde die Promotion von Prof. Joachim Vogt aus dem Fachgebiet Arbeits- und Ingenieurpsychologie im Fachbereich Humanwissenschaften (FB03).

Den zweiten Preis, dotiert mit 250 Euro, erhielt Frau Annika Simon für ihre Abschlussarbeit im Fach Politik und Wirtschaft mit dem Titel „Herausforderung nachhaltige Wasserversorgung: Grundlagen und Praxisbeispiele einer problem- und handlungsorientierten Lernlandschaft“ im Studiengang Lehramt an Gymnasien. Die Arbeit beleuchtet relevante Aspekte der Wasserverteilung und der zunehmend problematischen Lage im Kontext der globalen Nahrungsmittelversorgung und des Klimawandels und bereitet diese in einer Lernlandschaft für den Politik- und Wirtschaftsunterricht schülernah auf. Dabei bezieht Frau Simon interdisziplinäre Perspektiven auf den Lerngegenstand Wasserversorgung und die Bereiche Politik, Wirtschaft, Kultur und Technik mit ein. Betreut wurde die Arbeit von Dr. Andreas Füchter, Lehrbeauftragter für die Fachdidaktik im Institut Politikwissenschaft des Fachbereichs Gesellschafts- und Geschichtswissenschaften (FB02).

Die Herren Jonathan Götzinger, Ruben Hott, Kirill Kuroptev und Pascal Uetz erhielten gemeinsam den mit 250 Euro dotierten dritten Platz für ihre Projektarbeit „Nichtkooperatives, payoff-basiertes Spiel zwischen Microgrids“ im Rahmen des Projektseminars Automatisierungstechnik im Fachgebiet Regelungstechnik und Robotik. Die Arbeit beschäftigt sich mit der Fragestellung, wie in einem vernetzten Smartgrid die Balance von Energie zwischen Angebot und Nachfrage im Tagesverlauf zugunsten minimaler Kosten für alle Beteiligten sichergestellt werden kann. Durch den Einsatz von Spieltheorie wird in der Projektarbeit ein konkreter Ansatz zur Überwindung neuartiger Konflikte, die bei der nachhaltigen Entwicklung der Energienetze entstehen, vorgestellt. Im Fokus steht damit die Energiewende und die simulative Untersuchung einer Maßnahme, welche den reibungslosen Ablauf der Einbindung erneuerbarer Energieträger und deren Akzeptanz fördert. Die Arbeit wurde von Jan Zimmermann vom Fachgebiet Regelungstechnik und Robotik unter Leitung von Prof. Dr.-Ing. Jürgen Adamy des Fachbereichs Elektrotechnik und Informationstechnik (FB18) betreut.

Die Würdigung und Preisverleihung findet virtuell am Mittwoch, den 2. Dezember 2020 von 13.00 bis ca. 14.00 Uhr im Rahmen der Vortragsreihe „Das Akademische Viertel“ statt. Dort wird eine kurze Vorstellung der jeweiligen Arbeit durch den/die AutorInnen in Form einer Videopräsentation von 3 bis 5 Minuten, eine Würdigung durch die Mitglieder der Jury (für die IANUS-Initiativgruppe) und anschließend die Preisverleihung vorgesehen. Informationen dazu finden Sie unter https://www.fif.tu-darmstadt.de/themen_fif/ianus/ianus_preis/index.de.jsp

Auch 2021 soll es einen IANUS-Preis geben (Einsendeschluss ist der 31. Juli 2021 für Arbeiten, die seit August 2019 abgeschlossen wurden). Weitere Informationen werden unter www.ianus.tu-darmstadt.de sowie www.peasec.de veröffentlicht werden.

 

IANUS-Preis 2020: Sichtbare Bezüge zur naturwissenschaftlich-technischen Friedensforschung in vielen Fachbereichen der TU Darmstadt